„Historie“

Der Lübecker Senator Emil Possehl kaufte im Jahre 1899 fünf zusammenhängende Grundstücke an der Strandpromenade in Travemünde von ca. 5.000 Quadratmetern. Auf dem mittleren Grundstück wurde 1904 nach den Wünschen des Senators und den Plänen der Architekten Schöss/Redelstorff die zweigeschossige, prachtvolle Villa fertiggestellt, gedacht von ihm als Sommerresidenz für den Besuch des deutschen Kaisers – jedoch später genutzt für sich und seine Gattin.

Emil Possehl

1850 wird Emil Possehl als erster Sohn des Lübecker Kaufmanns Ludwig Possehl in der Beckergrube geboren. In seinem Elternhaus werden auch die Geschäfte der Firma L. Possehl & Co., einer Eisen-, Blech- und Kohlenhandlung, abgewickelt. Bis heute befindet sich hier der Sitz der Unternehmensgruppe. 1873 tritt Emil Possehl in den väterlichen Betrieb ein und ist wenige Jahre später größter Erzhändler Europas. Durch den Zukauf von Unternehmen aus dem produzierenden und verarbeitenden Gewerbe in Russland, Schweden und Norwegen wird aus dem Lübecker Kaufmann ein Industrieller, dessen Verbindungen von Europa bis nach Übersee reichen. Unter seiner Führung steigt der Warenumsatz um das Fünfzigfache. Als Emil Possehl 1915 sein Testament macht, wird sein Vermögen auf 100 Mio. Mark geschätzt.

Da seine Ehe mit der Schauspielerin Wilhelmine Schönherr kinderlos bleibt, setzt er in seinem Testament die Possehl-Stiftung zur Erbin seines gesamten Firmenvermögens ein. Sie soll der »Förderung alles Guten und Schönen in Lübeck« dienen. Die Possehl-Stiftung ist auch in einer von Stiftungen reich gesegneten Stadt wie Lübeck von einer bis dahin unbekannten Größenordnung. Emil Possehls Testament entsprechend trägt der Stiftungsvorstand Sorge für die Vermögenserhaltung und Vermögensverwaltung des Unternehmens. So hat der Stifter weitsichtig die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der Fortbestand seiner Unternehmensgruppe gesichert und gleichzeitig die Unternehmenserträge seiner Heimatstadt zu Gute kommen können. Bis heute hat der Wunsch Emil Possehls, das »Gute und Schöne« in Lübeck zu fördern, in nahezu allen Lebensbereichen der Hansestadt Spuren hinterlassen.

Von Villa Possehl über Haus Royal bis Villa Mare…

15 Jahre nach Fertigstellung des Hauses starb der Senator im Alter von 69 Jahren und seine Witwe erbte Haus und Grundstück. Zwei Jahre später starb auch sie und Haus und Grundstück fielen der Possehl-Stiftung zu, die der Senator testamentarisch gegründet hatte.

Zwischen 1921 und 1931 diente die Villa als Erholungsheim für Angestellte des Handelshauses. Sie stand aber auch etliche Jahre leer und die Hausmeister waren die einzigen Bewohner.

Zwischen 1934 und 1938 erfährt die Villa dann eine andere Nutzung. Die Possehlstiftung stellte das Haus in den Sommermonaten der Nordischen Gesellschaft zur Verfügung, die dort das Deutsch-Nordische Schriftstellerheim einrichtete, von den Travemündern nur „Dat Dichterhuus“ genannt.

Von 1942 bis 1945 richtete die Nordische Gesellschaft ihr Büro in der Possehl-Villa ein, nachdem ihr Stammhaus in Lübeck in der Bombennacht zu Palmarum 1942 zerstört worden war. 1945 endete die Tätigkeit der Norddeutschen Gesellschaft.

Nach 1945 gab es in der Villa u.a. eine Unfallhilfestelle des Roten Kreuzes, Räume für die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft und Unterkunft für Flüchtlinge.

Unter dem Namen Haus Royal ist die Villa seit 1967 im Wechsel Café und Gaststätte gewesen und einige Zeit Domizil der Schlagersängerin Lys Assia. Im Untergeschoss gab es Anfang der 70er Jahre eine Diskothek. Für einige Jahre übernahm dann die Casino GmbH Travemünde die Bewirtschaftung und richtete im Untergeschoss das Kleine Casino ein und im Erdgeschoss das Café mit dem guten Kuchen, der in der Hotelküche des Casinos hergestellt wurde.

Seit 1990 wurde das Haus dann von dem Hotelier Herrn Joachim Schulz vom „Hotel Deutscher Kaiser“ bewirtschaftet. Man konnte dort in schöner Atmosphäre Festivitäten wie Hochzeiten, Geburtstage ausrichten lassen. Einige Hotelzimmer wurden für die Unterbringung der Gäste benutzt. Im Dezember 2011 wurde das Haus Royal von den Brüdern Andreas und Christian von Oven erworben und nach Renovierungsarbeiten im März 2012 als Villa Mare eröffnet.

Quelle: Possehl Stiftung / Elenore Schumacher (gemeinnütziger Verein zu Travemünde e.V.)

 
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